Sinnkrise
 

Wieso überkommt einen Menschen der mitten im Leben steht von Zeit zu das Gefühl, dass sein kompletter Werdegang, seine Ziele, Wünsche und Träume sinnlos und irrelevant seien? Menschen die in ihren jeweiligen Spezialgebieten hoch talentiert und angesehen sind, bekommen es plötzlich mit der Angst zu tun und fangen an alles zu hinterfragen, jeden Stein umzudrehen, um einen Fehler in ihrem Leben zu finden, den es auch mit Sicherheit gibt, der jedoch auf keinen Fall so wichtig ist, als dass er die plötzlichen Zweifel rechtfertigen würde. Alles ist dann sinnlos, trivial, das Gefühl der eigenen Machtlosigkeit verstärkt sich um das Hundertfache. Das Gefühl nichts bewegen zu können, die Welt nicht verändern zu können mit dem was man tut stellt sich ein. In der Literaturwissenschaft gibt es ein Verfahren, dass ähnlich vorgeht. Literarische Werke werden in ihre kleinsten Bestandteile zerlegt, die Sprache wie auf einem Operationstische seziert um Muster zu erkennen, die Aufschluss darüber geben wie der Autor bestimmte Botschaften vermittelt. Man nennt dieses Verfahren Dekonstruktion, entwickelt wurde es vom Franzosen Jacques Derrida. Die Gemeinsamkeit zur oben beschriebenen Sinnkrise besteht in der Hinterfragung jedes Details. Jedoch soll die Dekonstruktion wissenschaftlich fruchtbare Ergebnisse erzielen, während die ständige Infragestellung des eigenen Ichs oft destruktiv wirkt. Wie können betroffene Menschen sie also umgehen oder sie in positive Bahnen lenken? Psychologisch muss dies höchst kompliziert sein, da sie ja meist keinen rationalen Ausgangspunkt hat wie das Derrida'sche Verfahren, sondern im Gegenteil mit der Vernunft nichts zu tun hat, ihr sogar widerspricht. Mit Sicherheit hilft ein stabiles Umfeld, eine unterstützende Familie oder verlässliche Freunde, die beruhigend einwirken und so die plötzlich explodierende Unsicherheit eindämmen und den besorgten Freund wieder ins sichere Fahrwasser geleiten können.

 

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