Small Talk
Man kennt das. Wir befinden uns auf einer offiziellen Veranstaltung, einer Party eines etwas entfernteren Bekannten oder schlicht in der U Bahn. Viele Leute stehen um einen herum, jedoch niemand ist einem wirklich vertraut. Dennoch möchte man auf keinen Fall unhöflich, reserviert oder abweisend wirken. Also unterhält man sich über das Wetter, das nächste Projekt, die unverschämten Preise der Deutschen Bahn und weiß dabei genau, dass der Gegenüber diese Unterhaltung als mindestens ebenso belastend empfindet wie man selbst. Small Talk. Austausch von Nettigkeiten. Gesellschaftliche Zwänge, die man einfach nicht vermeiden kann egal welcher Schicht, Überzeugung oder Altersgruppe man angehört. Irgendwann erwischt es jeden. Was wäre wenn wir alle für ein paar Tage überhaupt nicht lügen würden?Wenn jeder einfach sofort sagen würde, was ihm oder ihr durch den Kopf schießt?Ohne unterstellen zu wollen, dass wir alle am laufenden Band Lügen und Betrügen würden, kann man doch die Behauptung aufstellen, dass vieles was wir sagen nicht so ausgedrückt ist, wie wir es eigentlich gerne hätten. Dabei sind die mitteleuropäischen Kulturen verglichen mit beispielsweise den asiatischen extrem direkt und unverblümt. Entsprechend mehr fällt uns wahrscheinlich die Künstlichkeit bestimmter Situationen ins Auge, wenn wir mit der ehemaligen Chefin über Winterreifen palavern oder mit dem staubtrockenen Mann einer Freundin ein paar Stationen im Bus überstehen müssen. Unangenehme Pausen erstrecken sich über scheinbar unendlich Sekunden bis einem endlich das rettende Thema einfällt und der Gesprächspartner erleichtert aufatmet, dass er eine gute Steilvorlage bekommen hat die nächsten fünf Minuten kommunikationstechnisch zu überleben. Letztendlich endet man oft bei Themen die nicht unbedingt dem persönlichen Interesse entsprechen. Wer interessiert sich schon wirklich für die Weh-wehchen der räudigen Nachbarskatze?
 

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